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Make oder n8n, der eigentliche Unterschied

Beide sind visuelle Automatisierungstools mit Drag-and-drop. Der Unterschied, der wirklich zählt, steckt in der Abrechnungseinheit, nicht in der Oberfläche.

Tommy Hummel-Nguyen
Tommy Hummel-Nguyen · Ingenieur, kein Softwareentwickler ·

Beide werden als dasselbe verkauft: ein visuelles Werkzeug, Bausteine per Drag-and-drop verbinden, keine Programmierkenntnisse nötig. Auf der Oberfläche stimmt das sogar. Der Unterschied, der in den meisten Vergleichen untergeht, liegt tiefer: woran beide Anbieter den Preis überhaupt festmachen. Genau das entscheidet am Ende, was eine wachsende Automatisierung wirklich kostet.

Kurz gesagt

Make berechnet jeden einzelnen Schritt innerhalb eines Ablaufs als Kosteneinheit, genannt Credit. Ein Ablauf mit zehn Schritten, hundertmal ausgeführt, kostet tausend Credits. n8n berechnet dagegen jede komplette Ausführung als eine Einheit, unabhängig davon, wie viele Schritte darin stecken. Für einfache, kurze Abläufe ist Make oft günstiger und schneller eingerichtet. Sobald ein Ablauf komplex wird, dreht sich das Bild zugunsten von n8n, gerade bei Selbsthosting.

Der Unterschied, der wirklich zählt: die Abrechnungseinheit

Make rechnet in Credits, seit 2026 die neue Bezeichnung für das frühere "Operations". Jeder Baustein in einem Ablauf, jeder Auslöser, jede Aktion, jeder Filter, jede Weiche, verbraucht bei jeder Ausführung ein Credit. Ein Code-Baustein in JavaScript oder Python verbraucht sogar zwei Credits pro Sekunde Laufzeit. Das heißt konkret: die Kosten steigen nicht nur mit der Häufigkeit der Ausführung, sondern auch mit der Komplexität jedes einzelnen Ablaufs.

n8n rechnet dagegen pro Ausführung des gesamten Ablaufs, unabhängig davon, wie viele Bausteine darin verkettet sind. Ein Ablauf mit drei Schritten und ein Ablauf mit dreißig Schritten kosten in der Cloud-Version dasselbe, solange beide einmal laufen. Für einfache, kurze Automatisierungen ist das kein großer Unterschied. Sobald ein Ablauf viele Zwischenschritte, Bedingungen und Verzweigungen bekommt, wie es bei echten Geschäftsprozessen schnell passiert, wird Make spürbar teurer, während n8n gleich bleibt.

Was jedes Tool sonst noch mitbringt

Make punktet mit über 2.000 fertigen Anbindungen gegenüber rund 400 bei n8n, darunter Apps wie Canva oder Buffer, die es bei n8n nicht direkt gibt. Für eigene oder seltene Programmierschnittstellen liefert n8ns eingebauter HTTP-Baustein aber eine ebenso flexible Alternative, nur mit etwas mehr eigenem Aufwand.

Bei echten KI-Agenten mit eigenem Werkzeugzugriff und Gesprächsgedächtnis liegt n8n vorn, mit einem nativen Baustein genau dafür. Bei Make musst du diese Logik selbst aus einzelnen Bausteinen und HTTP-Aufrufen zusammensetzen, was mehr Zeit kostet und fehleranfälliger ist.

Die Entscheidung in einer Tabelle

Maken8n
AbrechnungseinheitPro Schritt im Ablauf (Credit)Pro vollständiger Ausführung
EinstiegstarifKostenlos, 1.000 Credits, 2 aktive AbläufeKostenlos beim Selbsthosten, sonst ab Cloud-Tarif
Nächste StufeRund 12 US-Dollar/Monat für 10.000 Credits, jährlich abgerechnetRund 20 Euro/Monat für 2.500 Ausführungen
Fertige IntegrationenÜber 2.000Rund 400, plus HTTP-Baustein für alles andere
Selbsthosting möglichNein, ausschließlich CloudJa, komplett kostenlos auf eigenem Server
KI-Agenten mit WerkzeugzugriffSelbst zusammengebaut über HTTP-AufrufeEingebauter Baustein für autonome Agenten
Am günstigsten beiWenigen, einfachen SchrittenVielen Schritten oder hoher Ausführungszahl

Wann Make die bessere Wahl ist

Wenn dein Ablauf kurz bleibt, wenige Schritte hat, und du eine Anbindung an eine gängige App brauchst, die bei n8n fehlt. Auch, wenn du komplett auf eigenes Servermanagement verzichten willst und lieber eine feste, planbare Cloud-Rechnung hast.

Wann n8n die bessere Wahl ist

Wenn deine Abläufe wachsen, viele Zwischenschritte bekommen, oder du perspektivisch selbst hosten willst, um Kosten und Kontrolle zu behalten, wie ich es für meinen eigenen Automatisierungslayer mache. Gerade bei Selbsthosting auf einem kleinen eigenen Server gibt es keine Ausführungsgrenze mehr, nur die Leistung des Servers selbst setzt die Grenze.

Ich denke, die Empfehlung "beide sind gleich, nimm was dir optisch gefällt" ist die häufigste Fehleinschätzung bei diesem Vergleich. Für ein einfaches, seltenes Zusammenspiel zwischen zwei Apps ist Make schnell eingerichtet und die Kosten bleiben überschaubar. Sobald ein Ablauf komplexer wird oder du langfristig viele Ausführungen erwartest, ist n8n fast immer die günstigere und flexiblere Wahl, besonders selbst gehostet als Teil eines eigenen Stacks.

Quellen: Make.com Pricing Explained: Credits, Plans & Hidden Costs (alltomate.com) · n8n vs Make (Integromat) Pricing & Comparison 2026 (cipherprojects.com)

Häufige Fragen

Welches Tool hat mehr fertige Integrationen?

Make, mit über 2.000 Anbindungen gegenüber rund 400 bei n8n. Für gängige Apps wie Canva oder Buffer liegt Make vorn. Für eigene oder ungewöhnliche Programmierschnittstellen ist n8ns HTTP-Baustein oft genauso flexibel.

Kann ich Make selbst hosten?

Nein. Make läuft ausschließlich in der Cloud von Make selbst. n8n dagegen lässt sich sowohl in der Cloud des Anbieters als auch komplett selbst auf einem eigenen Server betreiben.

Welches Tool eignet sich besser für KI-Agenten?

n8n, mit einem eingebauten Baustein für autonome KI-Agenten samt eigenem Werkzeugzugriff und Gesprächsgedächtnis. Bei Make musst du diese Logik selbst über einzelne Bausteine und HTTP-Aufrufe zusammensetzen.

Was passiert, wenn ich mein monatliches Kontingent überschreite?

Bei Make blockiert das System weitere Ausführungen, bis das Kontingent im nächsten Monat zurückgesetzt wird oder du den Tarif erhöhst. Bei selbst gehostetem n8n gibt es kein Kontingent, dort begrenzt nur die Leistung deines eigenen Servers.

Willst du das bei dir umsetzen?

In der Community zeige ich, was bei mir hält. Im Erstgespräch schauen wir uns dein Vorhaben konkret an.